Carlos Ruiz Zafón – Das Spiel des Engels.

nach „der schatten des windes“ ist eine unerträglich lange zeit vergangen. doch das warten hat ein ende, der neue roman von carlos ruiz zafón ist da (auch wenn ich zugegeben ein wenig verspätet diese zeilen schreibe) …

wie man meiner einleitung schon entnehmen kann, war ich seinerzeit mehr als begeistert von zafon’s erstlingswerk. denn dabei handelte es sich schlichtweg um einen brillanten unterhaltungsroman. ich habe das buch damals regelrecht „gefressen“. grund genug, auch das neue werk dieses schriftstellers zu kaufen.

und wieder einmal – und ich glaube, derzeit scheint es so gut wie kein buch zu geben, welches mich überzeugen kann – bin ich enttäuscht. denn zafon kann einfach die qualität der „nummer eins“ nicht halten, und gerade eben, nachdem ich die letzte seite gelesen habe, verbleibe ich mit einer fürchterlichen ratlosigkeit und dem daraus resultierenden ärger! anders gesagt, ich hab nicht den leisesten schimmer, was der autor mir mit dieser geschichte mitteilen möchte …

aber hier erstmal der klappentext:
Wir schreiben das turbulente Jahrzehnt vor dem Bürgerkrieg, als alles aus den Fugen gerät. Die Bevölkerung Barcelonas explodiert, die Stadt expandiert, Gaudí erschafft seine Kathedrale, Banden kontrollieren ganze Stadtviertel und die Anarchisten zünden ihre Bomben. Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine großen Erwartungen sich in nichts aufzulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheißung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät…

klingt alles relativ mysteriös und genau das ist es auch! dies also meine erste warnung, man sollte sich dessen bewusst sein, dass man es hier mit einer mischung aus thriller, gothic-novel und fantastischer literatur zu tun hat. wer sich darauf nicht einlassen möchte, sollte erst gar nicht mit dem buch anfangen.

ich für meinen teil hatte damit übrigens überhaupt kein problem, hätte zafon denn geschafft, mich am ende mit eine plausiblen auflösung zu beglücken. ohne zu viel zu verraten – er schafft es nicht. jedenfalls MICH konnte er nicht überzeugen mit diesem undurchsichtigen quatsch. das schlimmste daran ist aber, dass man über siebenhundert seiten hinter sich lassen muss, um dies zu erfahren.

diese sind jedoch – und jetzt zum positiven – in einem rutsch runtergelesen, sprachlich ansprechend und atmosphärisch brillant. wie auch schon im „schatten des windes“ gelingt es vorzüglich, den leser von der ersten seite an regelrecht in das geschehen hineinzuziehen. ich hatte auch zwischendurch niemals das bedürfnis „aufzuhören“. nein, und dies sei deutlich gesagt, „das spiel des engels“ ist ein unglaublich spannender und unterhaltsamer roman!

sprich – an der technik habe ich nicht viel auszusetzen. wohl aber am inhalt, denn der ist leider unendlich seicht. die personen sind allesamt mehr als blass und dies gilt vor allem für christina, der unser held von anfang an verfallen ist. immer wieder taucht sie auf, macht ihm das leben unnötig schwer um dann nach ein paar seiten wieder zu verschwinden. ich kann durchaus solch eine liebe nachvollziehen, aber hier wird sie so unendlich klischeehaft und lächerlich beschrieben!
nebenbei bemerkt mochte ich die hauptfigur des romans, also den ich-erzähler david, nicht wirklich leiden. auch er tappt durch diese unnötig verschachtelte, mysteriöse welt, wie eine pappfigur. einzig und allein isabell ist zafon letztendlich gelungen. eine gewitzte, schlaue, aber auch liebenswert freche person, die man gerne bei ihren taten beobachtet …

ich möchte allen leser nicht die chance nehmen, selbst zu entscheiden, ob ihnen dieses buch gefällt. somit darf ich leider auch nicht zu viel verraten. würde ich allerdings gerne, nur um herauszufinden, ob ich der dumme bin oder ob zahlreiche ereignisse zwar „optisch“ opulent daherkommen, mit der eigentlichen handlung jedoch recht wenig zu tun haben und oftmals einfach nicht zu ende erzählt werden. hier hat es sich zafon meiner meinung nach viel zu einfach gemacht. er streut immer wieder interessante puzzelstückchen aus, die er dann aber leider nicht mehr aufsammelt … auch ist das personal einfach zu umfangreich. weniger wäre auch hier sicherlich mehr gewesen.

meine vermutung – zafon ist zwar ein außerordentlicher schriftsteller, dem es aber bei seinem neuen werk schlichtweg an fleiß gefehlt hat. man hat den eindruck als schreibe er all seine einfälle einfach nieder, dies – um es nochmal zu sagen – wirklich brillant, aber dennoch ohne substanz. und das schlimmste, er beendet seinen roman mit einem paukenschlag, der in seiner dummheit nicht lauter hätte sein können.

außerdem muss ich gestehen, hatte ich am ende irgendwie den eindruck, dies alles schon anderswo gelesen oder gesehen zu haben. immer wieder hat mich die geschichte um daniel und den mysteriösen „patron“ an den film „angel heart“ erinnert. nur das diesem werk ein vergleichsweise überraschender und vor allem überzeugender schluss gelungen ist.

so, wie man merkt drehe ich mich ein wenig im kreis. ich glaube, ich versuche mir einzureden, dies wäre ein gutes buch. also nochmal: „das spiel des engels“ ist ein wunderbar geschriebenes buch, unterhaltsam, spannend, atmosphärisch dicht. es hat alles was ein grandioser roman braucht. und dennoch macht der autor am ende alles kaputt – nämlich aufgrund der vollkommen klischeehaften handlung, „gewürzt“ mit einem unfassbar bescheurten ende. (bewertung: 3/5)

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6 Kommentare

  1.  Birgit  am  13. Februar 2009 um 10:49 Uhr  

    Ich bewundere Dich dass Du so viel zu diesem Buch schreiben kannst. Ich hätt maximal 2/5 gegeben, das war wirklich ein sehr unerfreuliches Leseerlebnis.

    Aber sonst komm ich derzeit kaum mit dem Lesen nach vor soviel interessanten Neuerscheinungen.

    LG, Birgit

  2.  Angelcurse  am  26. Februar 2009 um 08:41 Uhr  

    Schade eigentlich, dabei fand ich „Der Schatten des Windes“ doch so klasse :-(
    http://blog.libri-amandi.de

  3.  Reiko  am  8. Juli 2009 um 22:29 Uhr  

    Also ganz ehrlich, das Buch fing ja ganz nett an, aber ich musste es wirklich im urlaub bei seite legen, da es mich irgendwie nicht gefesselt hat :-(
    http://www.bildmania.de

  4.  hobie16  am  12. Juli 2009 um 12:38 Uhr  

    Da ich genau deiner Meinung bin und ich immer auf der Suche nach schönen Büchern bin, wäre es toll, wenn du mir mal sagst, was dir in letzter Zeit gefallen hat.

  5.  Ute Bieda  am  27. Oktober 2009 um 16:43 Uhr  

    Also, ich kann mich dem Kommentar nur voll und ganz anschließen. Das Buch selbst hat mich sprachlich und inhaltlich zwar gefesselt, aber nach dem Ende war ich selten so ratlos. Ich habe das Buch vor 5 Monatren gelesen und ich frage mich heute noch, was mir das Ende nun sagen will. Deshalb suche ich nach Kommentaren, um herauszufinden, was das Ende nun ausdrücken könnte. Anscheinend stehe ich aber nicht alleine mit meiner Ratlosigkeit.

  6.  Birgit St.  am  26. Dezember 2009 um 10:34 Uhr  

    Ich habe das Buch gerade beendet und war nach dem „Schatten des Windes“ doch sehr enttäuscht. Ja, man fragt sich hinterher wirklich, was uns der Autor mit diesem Buch sagen will. Spannung war da und immer die Hoffnung endlich auf den Kern des Buches zu stoßen. Am Ende fühlt man sich irgendwie überhaupt nicht zufrieden. Ich kenne Barcelona noch nicht, kann mir aber gut vorstellen, nach diesem Buch auch einmal diese Stadt zu erkunden. Die wunderbaren Beschreibungen des Schriftstellers regen geradezu dazu an. Aufschlußreich war das Ende insofern, dass ich nun eine Verbindung zum Buch „Der Schatten des Windes“ herstellen konnte. Und trotzdem bin ich auf seine anderen Bücher gespannt.

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