ANDRÉ GORZ – BRIEF AN D.

jedes mal, wenn ich in einem buchladen war, nahm ich dieses wunderschöne kleine bändchen in die hand und überlegte, ob diese „geschichte einer liebe“ nicht auch für mich interessant sein könnte …
und doch legte ich brief an d. von andré gorz immer wieder auf den stapel zurück. jetzt wurde mir die kaufentscheidung abgenommen, ich bekam das buch zum geburtstag geschenkt. heute habe ich es gelesen. man ist schnell fertig, handelt es sich doch um einen recht zarten umfang von lediglich 85 seiten.
und um ehrlich zu sein, ich bin ein klein wenig hin- und hergerissen. kann mich nicht entscheiden, ob ich diesen text gut oder gar überflüssig finden soll. ich denke, in der mitte bin ich mit meiner kritik ganz gut aufgehoben. denn eigentlich hört man auschließlich positives über dieses werk. jeder scheint davon begeistert zu sein und ich kann nicht ganz nachvollziehen warum. denn ach so außergewöhnlich ist dieser liebesbrief des autors gorz an seine geliebte dorine dann doch nicht. jedenfalls hat er mich persönlich leider nicht zu tränen gerührt und ich glaube vorrangig, dass die geschichte, die dahinter steht, weitaus ergreifender ist, als das was IM buch zu finden ist.
für mich liegt das hauptproblem wohl an der person gorz selbst. weder habe ich bisher eines seiner werke gelesen noch werde ich dies wohl in zukunft tun. was er geschrieben hat, mag bedeutend sein, aber bewegt sich leider in einem bereich, der nicht zu meinen interessen zählt. hierzu muss ich wohl kurz aus seiner biografie zitieren: „in seinen buchpublikationen profiliert sich gorz als theoretiker der arbeiterselbstverwaltung und der politischen ökologie. zentrale themen sind die frage der arbeit – befreiung von der arbeit, gerechte verteilung der arbeit, entfremdung in der arbeit – und der wissensökonomie.“
nicht gerade mein fall und somit bleibt mir auch das intellektuelle leben dieses autors logischerweise mehr als fremd. trotzdem, ganz egal WAS er zu papier brachte, sein leben war das schreiben. und – natürlich – die liebe zu seiner frau dorine. in seiner autobiografie „der verräter“ hatte gorz dieser liebe nicht sonderlich viel platz eingeräumt und tat dies nun im vorliegenden dokument.
ich schreibe „tat“, denn andré gorz hat sich 2007 zusammen mit seiner schwerkranken frau das leben genommen. und dies hebt unbestritten diese große liebe noch mehr in den vordergrund und zeigt, dass er ohne sie nicht leben wollte. und dennoch: ist es wirklich so etwas besonderes, was man im „brief an d.“ lesen darf? meiner meinung nach könnten derartige liebeserklärungen viele menschen schreiben. und das ehepaar gorz ist sicherlich nicht das einzige auf dieser welt, welches ihr gesamtes leben gemeinsam verbracht haben.
dies meine ich mit „nicht außergewöhnlich“. letztendlich könnte jeder solch einen text verfassen und man muss kein genie sein, die passenden worte dafür zu finden, um einem anderen menschen zu sagen, dass man ihn über alles liebt. dass man sich nicht mehr vorstellen kann, ohne diese person zu leben.
somit bleibt für mich nur eines, nämlich die tatsache, DASS gorz diesen brief geschrieben hat. nicht der inhalt ist so etwas besonderes, sondern einzig und allein, dass er überhaupt geschrieben wurde. dies hat wirklich etwas bezauberndes, etwas anrührendes und lässt fragen offen wie: gibt es heutzutage noch wirkliche liebesbriefe und gibt es noch menschen, die so etwas zu schätzen wissen?
und trotzdem weiß ich nicht, warum gerade DIESER liebesbrief so etwas besonderes sein soll. gibt es nicht unzählige solcher texte bei jedem von uns zu hause? in einem schuhkarton versteckt, in der letzten ecke des kleiderschranks? warum also muss man gerade dieses buch lesen? diesen brief? warum wurde er überhaupt veröffentlicht? hatte der autor das bedürfnis, mit der ganzen welt seine gefühle zu teilen?
nein, ich glaube ich komme zu keinem überzeugenden ergebnis. ich weiss wirklich nicht, ob ich dieses buch empfehlen soll. und dennoch ist es etwas besonderes für mich. weil es ein schönes buch ist und weil jemand an mich gedacht hat, an meine liebe zur literatur und mir damit ein schönes geschenk gemacht hat. und doch muss ich es so kühl sagen: das buch selbst finde ich wunderbar, der inhalt ist nichts herausragendes …
(bewertung: 3/5)
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Ach. Einen kurzen Moment dachte ich es gibt hier etwas Neues.
LG, Birgit
hallo birgit,
nö, leider immer noch nicht … ich mag einfach nicht mehr lesen im moment …
lg.
bend
Schade eigentlich, Bernd, Deine Kommentare fand ich immer gut… Wie kann das passieren *malvorsichtigfrag*?
Ich hab es ja auch ab und an, dass mich kurzweilig die Leselust verlässt, was aber eher daran liegt, wenn mir das Buch nicht gefällt! Aber so lange???
Vielleicht ändert sich da ja bei Dir mal wieder was!?
LG von Danni
hallo danni,
ach ich weiß auch net, irgendwie hab ich dauernd andere dinge im kopf, und mach alles gerade lieber als lesen … und ich bin ganz ehrlich, dann auch noch drüber schreiben ist letztendlich natürlich auch ganz schön aufwändig. entweder „gescheit“ oder „gar nicht“ … ich hab auch schon überlegt, ob ich das hier ganz schließe, aber das wollte ich dann doch nicht. vielleicht kommt sie ja wieder, meine „lesezeit“ … sehen wir es also vorrübergehend noch als pause …
glg.
bernd