GORDON DAHLQUIST – DIE GLASBÜCHER DER TRAUMFRESSER.

im falle von gordon dahlquists debutroman bin ich ein bisschen am zweifeln. denn eigentlich hat mir dieser schmöker richtig gut gefallen! aber …
nein, das positive vorweg. ich habe die glasbücher der traumfresser sehr gern gelesen. und das obwohl ich kein fan von sonderlich dicken büchern bin. knapp 900 seiten sind also für mich ein ganz schöner gewaltmarsch. dank dem verlag, der sich dazu entschlossen hat, das ganze in zehn schmale bände aufzuteilen, hat man aber den eindruck viel weniger zu lesen oder besser gesagt: schneller voran zu kommen … die idee basiert auf den damaligen gepflogenheiten des fortsetzungsromans. find ich gut! und vor allem steigert es insgeheim ungemein die spannung. nach jedem büchlein darf man gespannt zum nächsten greifen und wird somit von kapitel zu kapitel weiter in die fantastische geschichte hineingesogen.
hier aber kurz der klappentext:
Verpassen Sie keinesfalls den letzten Zug nach Harschmort Manor!
Eine sitzen gelassene junge Lady, ein professioneller Killer und der Leibarzt eines mecklenburgischen Prinzen ziehen in einer rasanten Tour de Force durch das viktorianische England. In einem bizarren Herrenhaus entdecken sie erotische und haarsträubende Geheimnisse und riskieren ihr Leben, ihre Ehre und ihre Tugend, um die Welt vor den Gefahren einer alchemistischen Maschine und einer teuflischen Verschwörung zu retten.
Gordon Dahlquist ist mit seinem Debüt ein veritabler viktorianischer Spannungsroman gelungen! Er begeistert durch seine unerschöpfliche Imaginationskraft, durch überragende Originalität und durch das Spiel mit bekannten Motiven aus der Literatur, wie dem englischen Schauerroman, »Sherlock Holmes« und »Alice im Wunderland«. Lustvoll zitiert er Autoren wie H.G. Wells oder Filme wie »Eyes Wide Shut« – und entzieht sich dabei selbst augenzwinkernd jeder Zuordnung. Das mysteriöseste, schauerlichste, verrückteste und faszinierendste Buch-Ereignis des Jahres!
viel mehr sollte eigentlich auch gar nicht verraten werden. oder anders gesagt, viel mehr informationen hatte auch ich vor der lektüre nicht. und das ist auch gut so. hier gibt es viel zu entdecken und jedes zu viel verratene ereignis schmälert den lesegenuss sicherlich ungemein! und außerdem, wer nach vollendung des ersten kapitels nicht sofort weiter lesen möchte … hmm, nun gut, für den ist dieses buch dann nicht geschrieben. denn man muss sich natürlich schon ein klein wenig auf diese außergewöhnliche mischung aus historischem verschwörungskrimi, spannungsroman und fantastischer schauergeschichte einlassen. mich konnten die zahlreichen wunderbar erfundenen maschinen und handlungsorte jedenfalls mehr als begeistern.
ebenso wachsen einem die drei helden sofort ans herz und es macht unglaublichen spaß miss temple, den kardinal und den doktor auf ihren abenteuern zu begleiten. dahlquist schafft es meiner meinung nach auch perfekt mit der spannung zu spielen. jedes kapitel fängt ein klein wenig träge an, um dann aber umso mehr an fahrt zu gewinnen. hätte man in den nächsten minuten den fortsetzungsband nicht griffbereit, man würde regelrecht verzweifeln.
auch die sprache des autors und seine fähigkeit, den leser auf eine grandiose art und weise in seine atmosphärisch dichte welt zu entführen, fand ich äußerst bemerkenswert. das ganze liest sich außerdem weg wie nix, letztendlich ist dies also der perfekte schmöker für triste herbstabende.
zwei dinge haben mir aber dennoch nicht gefallen. zum einen ist es die schier unerschöpfliche anzahl aus verschiedenen personen, die sich den drei helden in den weg stellen. oder sagen wir es anders, ist man einmal ein paar seiten lang nicht ganz so aufmerksam bei der sache, rächt sich das ganze mit einem gewissen unverständnis und man überlegt: woher kenne ich jetzt diesen namen gleich nochmal? soll heißen, man sollte bei der sache bleiben. aufpassen lohnt sich also.
die andere negative anmerkung. so undurchschaubar und wunderbar mystisch die geschichte am anfang wirkt, gespickt mit unzähligen grandiosen vorgängen, so enttäuschend einfallslos gestaltet sich das finale. das ganze als übertrieben und zäh zu bezeichnen wäre ungerecht. sagen wir es so, die letzten hundert seiten waren mir dann doch ein klein wenig zu viel des guten. auch insgesamt könnte man dem buch vorhalten: weniger wäre mehr gewesen. ein paar kürzungen hätten die story womöglich noch knackiger gemacht. das das ende regelrecht nach einer fortsetzung schreit sei auch mal dahingestellt. was mich persönlich aber nicht sonderlich stört, werde ich das ganze sicherlich lesen.
zusammenfassend überwiegen für mich aber durchaus die positiven empfindungen. ich würde über eine lange strecke perfekt unterhalten. somit kann ich diesen roman durchaus empfehlen! (bewertung: 4/5)
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tja – da kann ich mich mal nur wieder deiner meinung anschließen! ein wirklich guter (fantasy-?) (science-fiction-?)-roman, bei dem man problemlos in die zeit raschelnder röcke und klackender hufe eintauchen kann.
die story an sich samt protagonisten und handlungsumfeld sind stimmig spießig wilhelminisch (ein bißchen wie der film „strange days“ anfang 20. jhdt), und die ersten vier/fünf kapitel machen wirklich großen spaß. aber ungefähr ab kapitel 7 hört dieser dann langsam auf: zu surreal sind dann die weiteren machenschaften der „bösen“, das gehaste durch wirre gemäuer ermüdet die vorstellungskraft.
ausserdem hatte ich ab der mitte des romans ständig den eindruck, ich hätte ein drehbuch für einen ganz schlechten und technisch überanimierten block-buster in der hand, der noch dazu und ganz kommerziell nach teil 2 schreit.
schade eigentlich, denn vor allem die ersten vier kapitel sind so spannend, das man immer weiter gierig auf die neuen kapitel schielt und hofft, das der roman nie aufhört. andererseits hätte dahlquist lieber aufhören sollen, und zwar rechtzeitig. denn der schluss zieht sich wie kaugummi, man hofft, es ist endlich endlich endlich vorbei mit dem geraufe und getöte und wiederaufgestehe, aber nein – der autor kennt keine gnade.
und dennoch: die beste unterhaltung seit langem!
eigentlich ist es nicht leicht über dieses buch zu urteilen. jedenfalls geht es mir so. denn es gibt wirklich zu viele dinge auf die man sich im negativen sinne stürzen könnte. somit gebe ich dir vollkommen recht und ich denke du hast alles ganz gut auf den punkt gebracht. der schluss ist eindeutig zu lang, zu wirr, zu … und und und.
und trotzdem überwiegt in diesem falle für mich einfach das gesamte werk. die ideen, die schauplätze und vor allem die personen, die man letztendlich doch irgendwie recht gern mag. aber es stimmt schon, dahlquist hätte früher aufhören sollen. man könnte fast sagen, womöglich spukte ihm einfach zu viel in seinem kopf rum und somit wollte er scheinbar auch ALLES zu papier bringen. eine kürzung von 200 seiten hätte dem werk sicherlich gut getan. denn der anfang ist einfach sensationell. spannend, mystisch und unglaublich originell. selten hat mich ein buch gerade am beginn zu gepackt und fasziniert. doch je mehr die geschichte dann aufgelöst wird umso uninteressanter erscheint das ganze …
jetzt sind ein paar wochen vergangen, seit ich das ganze gelesen habe. ich frage mich ständig, werde ich eine fortsetzung lesen? wahrscheinlich schon. wie geht es dir?
fortsetzung? na klar!!! nachdem ich ja doch einige zeit mit den drei haupt-protagonisten verbracht habe (und die mir dabei sichtlich ans herz gewachsen sind…) werde ich NATÜRLICH mit begeisterung teil II anschaffen und hoffen, das dort keine glasfrauen aber dafür viel spannung, spiel und schokolade drin sind!
ok. dann warten wir mal ab, bis teil zwei zu haben ist … hoffentlich dauerts nicht zu lange, nicht dass wir irgendwann doch das interesse verlieren …